Auf der PFI Konferenz war das Thema „pagane Seelsorge“ einer der Programmpunkte.

Hier kommt eine Zusammenfassung des Vortrages von Dr. Donate McIntosh und Dr. Christopher McIntosh über die „Verdandihilfe“:

Donate berichtete über den Werdegang des Projekts:

2015 traf sich eine Gruppe von paganen Leuten aus verschiedenen Gruppen und Vereinen, darunter der Verein für germanisches Heidentum, die Heidnische Gemeinschaft, die Reclaiming-Gemeinschaft, der Eladaring und die Pagan Federation International. Die Situation fehlender Seelsorge für Pagane in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen wurde diskutiert und das Projekt Verdandihilfe wurde gegründet, anfangs noch unter dem Namen „Verdandihilfe – Polytheistischer Beistand“. Die Gründungsgruppe erarbeitete Richtlinien für die Mitarbeit im Projekt sowie praktische Bögen zur Dokumentation von Klientenkontakten und anderes.

In einem zweiten Schritt wurde in der paganen Öffentlichkeit zur Mitarbeit aufgerufen, was auf große Resonanz stieß. In der ersten Mitgliederversammlung des Projekts wurden grundlegende Richtlinien des Projekts und die Gestaltung spezieller Klientenbögen verabschiedet sowie weitere praktische Verabredungen getroffen, wie z.B. die Einrichtung einer Website mit angeschlossenen Emailadressen der MitarbeiterInnen, spezifische Arbeitsabläufe und ähnliches. Die Struktur sah jährliche Mitgliederversammlungen vor, bei denen neben der Arbeit im Plenum auch neu Hinzugekommene eine Einführung in das Projekt erhalten sollten. Außerdem kam es zur Gründung des VerdandiRats, einer fünfköpfigen Lenkungsgruppe für spezielle Aufgaben wie IT, Öffentlichkeitsarbeit und ähnliches.

Die Resonanz auf das Projekt war ganz überwiegend positiv, und zwar sowohl innerhalb der paganen Szene als auch im interreligiösen Kontakt. Wie sich dann aber im weiteren Verlauf zeigte, war die Nachfrage nach unserem Angebot bei weitem nicht so lebhaft wie gedacht und erhofft.

Christopher griff den Faden auf und zog eine Bilanz des Projekts:

Auf der positiven Seite haben wir viel Resonanz unter den Heiden bekommen, wir haben ein tolles, sehr motiviertes Team zusammengestellt und über mehrere Planungstreffen ein sehr gutes System für die pagane Seelsorge entwickelt. Durch dieses Projekt sind viele unterschiedliche pagane Gruppen zusammengekommen und haben sehr harmonisch miteinander gearbeitet. Darüber hinaus hat das Projekt etwas Gutes für das Image und die Glaubwürdigkeit des Heidentums in Deutschland bewirkt. Eine Gruppe von Heiden in der Schweiz war begeistert von unserem Projekt und möchte dort etwas Ähnliches ins Leben rufen.

Auf der negativen Seite hatten wir nur zwei Klientinnen in fast zwei Jahren, obwohl wir viel Werbung für das Projekt gemacht haben (Flyers, Artikel in paganen Zeitschriften, Berichte bei paganen Webseiten usw.). Vermutlich liegt das Problem teilweise darin, dass wenn Pagane krank sind und Beistand brauchen, sie zuerst ihre Familie oder Freunde oder ihre eigene pagane Gruppe fragen. Ein größeres Problem liegt darin, dass das Heidentum in Deutschland generell nicht genügend bekannt ist. Infolgedessen werden bei der Seelsorge in den Krankenhäusern heidnische Patienten nicht berücksichtigt. Deswegen haben Christopher, Faye und Giefane am Anfang dieses Jahres eine Informationsaktion unter den Krankenhäusern in Berlin durchgeführt in der Hoffnung, dass wir sie überzeugen könnten, unser Angebot in ihre Information über Seelsorge miteinzubeziehen. Leider hat diese Aktion fast nichts gebracht. Bei den meisten kontaktierten Krankenhäusern sind wir auf völliges Unverständnis gestoßen oder haben erst gar keine Antwort bekommen. Mit anderen Worten: Es bedarf noch sehr viel Aufklärungsarbeit über den Paganismus in Deutschland.

Fazit: Durch die Verdandihilfe haben wir erfahren, wieviel Arbeit und Aufwand mit so einem Projekt verbunden sind. Das Ausarbeiten der Richtlinien hat uns dazu gebracht, über viele praktischen Fragen und Probleme nachzudenken, und wir haben dabei sehr viel gelernt. Darüber hinaus haben wir ein System und ein Netzwerk von sehr motivierten Leuten aufgebaut. Das alles kann eines Tages einmal wieder aktiviert werden – welche Form auch immer es dann annehmen mag.

Anmerkung: Das Projekt pausiert derzeit.